06.08.22 - Kandy: Viele Tempel und Perahera-Festival

Heute hab ich halt echt mal neun Stunden richtig gut geschlafen! Bin zwar ein paar Mal aufgewacht, es war tatsächlich frisch, trotz Leggins, Pulli und Socken und zusätzlich zum Bettlaken noch mein Hüttenschlafsack. Um acht wachte ich dafür dann ganz ohne Wecker auf. Eigentlich sieht es vor meinem Zimmer stark nach Frühstück aus, aber als ich raus schaute, war weit und breit niemand zu sehen. Also packte ich meine Sachen und startete ohne. Zunächst war natürlich Stukkiyes Morgenroutine dran. Ölstand prüfen, Räder ankucken und freundlich mit ihm sprechen, dann den Choke(?) ziehen, starten und langsam aufwachen lassen. Klappte prima und kurze Zeit später waren wir zwei on the Road! Da ich mich prompt verfuhr, landeten wir erst einmal an einem schönen Aussichtspunkt über dem See.

Danach ging es wieder runter und durch den Ort, wo ich mich mit ein paar gefüllten Teigtaschen ausrüstete. Dann fuhr ich fast eine Stunde lang, zunächst ein Stück im Flachen, ab Gampola ging es dann aber immer steiler bergauf. Mein Ziel konnte ich schon deutlich früher sehen, aber Stukkiyi erwartete ein wirklich hartes Stück Arbeit. 

Die ersten Serpentinen waren noch gut im zweiten oder auch dritten Gang zu schaffen, aber die beiden letzten Kilometer ab dem Ticketoffice wurde es heftig. Letzte Woche hätte ich da einige Pausen gebraucht, wir kämpften uns insgesamt bestimmt 300Meter in die Höhe. Am Ende ging's nur noch im 1. Gang, aber wir schafften es und kamen schließlich an, am völlig verrückt aussehenden Ambuluwawa Turm. 

Welchen Sinn und Zweck der genau hat, konnte ich nicht herausfinden, aber als ich ihn in einem Youtube-Video entdeckt hatte, wusste ich, da will ich auch rauf! Fast wäre er mir durch die Lappen gegangen, im Lonely Planet wird er nicht erwähnt. Zum Glück stand er auf meiner Liste und gestern hab ich gegoogelt und alle Pläne über den Haufen geschmissen. Jetzt war ich also da und es wehte ein ordentlicher Wind.

Die ersten vier Stockwerke läuft man innen hoch, dann geht es aber auf die immer schmäler werdende äußere Treppe. Der Wind blies so stark, dass man sich eine Viertelrunde voll dagegenstemmen musste und dann das nächste Viertel geschoben wurde. 


Der Turm hat immer wieder bauchige Auswüchse, in die man reingehen kann, wenn Gegenverkehr kommt, zum Glück war heute nur wenig los. Oben kann man stellenweise nicht mal mehr "normal" laufen, sondern muss sich etwas seitlich drehen. Der Blick aufs Umland ist aber echt gigantisch, auch wenn es heute recht grau war. 

Da es so wehte, blieb ich nur kurz oben, gibt so gesehen eh kein Ende, denn irgendwann bleibt man einfach auf der Treppe stecken! Runter musste man mit dem Wind dann richtig aufpassen. 

Auch die Straße mit dem Tuktuk runter war nicht ohne, so ein Ding hat nicht die besten Bremsen und schon gar kein ABS! Auch hier fuhr ich meist im 2. und manchmal sogar im 1. Gang.

Als der Berg geschafft war, wollte ich mir noch ein, zwei weitere Tempel anschauen, die näher bei Kandy sind. Der erste war der Embekke Devalaya aus dem 14. Jahrhundert, ich glaube, es war ein hinduistischer Tempel. Danach ging es noch zum Lankatilaka Tempel, der irgendwie buddhistisch und hinduistisch gemischt ist. Da es hier dann aber gerade ziemlich stark regnete, hab ich nicht mal ein Bild von außen gemacht. Innen führte mich ein alter, fast zahnloser Mann herum, der extra die Tür aufsperrte.

Jetzt hatte ich erstmal genug von Tempeln und wollte auf dem Rückweg noch in den königlichen botanischen Garten. Leider war es immer noch recht regnerisch, von daher war ich da evtl. etwas schneller unterwegs als gewöhnlich. Der Park ist echt gigantisch und man findet alles von Orchideen über riesigen Bambus bis hin zu Palmen und Farnen.



Auf dem Rückweg zum Hostel stoppte ich noch an einer Tankstelle. Gleiches Spiel wie gestern, ich wurde vor gewunken, dann aber nach meinen QR-Code gefragt. Der ist aber unser allerletzter Notnagel, mit dem bekommt man wohl nur ein paar Mal Benzin. Also sagte ich, dass ich einen Fuel Pass habe und ohne ihn vorzeigen zu müssen, bekam ich Sprit. Maximal 5l, aber bei 3,5 war Stukkiyi eh schon satt. Das brachte ich dann nach Hause, während ich selbst zu Fuß wieder in die Stadt lief. Inzwischen war es schon etwa vier Uhr.

Ein letzter Tempel stand noch auf dem Plan, der berühmteste von allen, Dalada Maligawa, besser bekannt als der "Zahntempel". Denn hier befindet sich angeblich ein Backenzahn von Buddha höchstpersönlich. Der Tempel liegt direkt am Seeufer und von meiner Unterkunft vielleicht 10 Minuten entfernt. Hm, irgendwie hatte ich mir das alles etwas spektakulärer vorgestellt. Einen Zahn konnte ich jedenfalls nicht entdecken... Aber nicht so schlimm.

Nun war es endlich an der Zeit für einen richtigen Kaffee und was zu essen, viel hatte ich heute noch nicht. Das erwies sich als nicht so einfach. Überall saßen und standne schon Leute am Straßenrand, um für die Prozession später die besten Plätze zu sichern (zwei Stunden vorher war es echt schon voll). Im Stadtzentrum, wo es einige interessante Cafés gibt, wurden die Gehsteige dagegen hochgeklappt. Der Umzug geht nämlich einmal um die Innenstadt herum, wer nicht rechtzeitig raus kommt, muss bis zum bitteren Ende bleiben.

Schließlich entdeckte ich dann doch noch ein Java Café, dort bekam ich einen großen Cappuccino auf einem schönen Balkon und nach 50 Minuten warten einen Teller Pesto Pasta. 

So war es halb 7 bis ich mir einen Platz für die Prozession suchen konnte. Jetzt war es auch wirklich rappelvoll. Ich fand einen Platz in hinterster Reihe, direkt am Seeufer und somit ziemlich am Beginn, somit musste ich nicht ganz so lange warten. 

Kurz vor Beginn quatschte mich ein junges Mädel an, Paboda, die mit ihrer Familie hier war. Sie war total neugierig und wollte wohl auch Englisch üben. Sie erzählte mir, dass sie morgen 15 wird und auf meine Frage antwortete sie, sie wünscht sich einen Schokokuchen zum Geburtstag. Mehr nicht. Und ihr Vater hätte aber wohl nicht genug Geld, dieses Jahr.

Als es dann losging, zog sie mich mit sich zu ihrer Mutter und passte auf, dass ich auch ja genug sehe. Sie erklärte mir alles und kaufte mir etwas süßes, ähnlich wie Zuckerwatte, sie wollte es nicht mit mir teilen, es war ein Geschenk. Wir kuckten uns gemeinsam die Prozession an. Schon echt toll, sehr viele Tänzer, Trommler und Elefanten. Das Ganze wird beleuchtet von Fackeln, somit war die Luft nicht so toll, hier wurden wohl literweise Lampenöl vernichtet 😉




Padoba und ich unterhielten uns weiter, sie ist echt ein nettes Mädel und sehr interessiert. Schließlich fragte sie mich, ob ich Whatsapp habe und war total glücklich, als ich ihre Nummer speicherte und ihr eine Nachricht schickte. Und dann fragte sie mich ganz schüchtern, ob ich ihr vielleicht einen Schokokuchen kaufen könnte. Klar kann ich! Aber nicht mehr jetzt, denn die Geschäfte waren zu. Also verabredeten wir uns für morgen früh, sie will mit ihrer Mum kommen und will mir Sri Lankan Curry Rice mitbringen. Und ich mache sie dafür hoffentlich mit Schokokuchen glücklich.

Gegen dreiviertel zehn machte ich mich dann auf den Heimweg, der Umzug war in den letzten Zügen und immer mehr Leute strömten davon. Ich reite mich ein und lief zurück zum Hostel. Dort angekommen ging es unter die Dusche und dann ans Blog schreiben. Jetzt ist es inzwischen auch schon halb 12.

Morgen werde ich dann in Richtung Sigiriya weiterfahren, das ist knapp 100km nördlich von hier. 


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