01.01.2022 - Happy New Year - ganz relaxt

Gestern Abend saßen wir noch zusammen, es wurde aber zunehmend kühler und da war wohl jeder froh, als es endlich 12 war. In der Ferne sahen wir 3-5 Raketen und wir tanzten eine Runde zu nubischen Gesängen (mit Trommeln) von Seko und einem anderen. Um halb 1 machten wir uns dann alle auf ins Bett. Ich schlief ziemlich gut bis etwa 7, blieb dann aber noch fast bis 9 liegen. Dann stand ich auf, schnappte mir meinen Kindle und die Sonnenbrille und verzog mich für die nächsten zwei Stunden auf die Dachterrasse.

So sollte eigentlich jedes neue Jahr beginnen! Anfangs noch im Pulli, doch kurze Zeit später auch im Top! Da weit und breit niemand zu sehen war, holte ich mir einen Teebeutel aus meinem Rucksack und machte mir eben selbst meinen Tee. Gegen halb 12 machte ich mich dann startklar, von Sean hatte ich noch nichts gehört, wir wollten eigentlich etwas zusammen unternehmen. So ging ich erstmal in den nördlichen Teil der Insel, und schlenderte durch die Gassen des nubischen Dorfes. Die meisten Menschen, die hier leben, wurden hierher umgesiedelt, als der große Staudamm fertig wurde und ihre alte Heimat überflutet wurde.


Mein Plan war eigentlich, am Ostufer irgendwo einen Platz zum Frühstücken zu finden, aber das ist hier wirklich nicht so einfach. Etwas gemütliches zu finden, wo man sich gerne setzen und bleiben möchte, dauert länger. Das Bob Marley House mit Dachterrasse wäre der Platz gewesen, aber weit und breit niemand, der mir etwas verkaufen wollte… So kapitulierte ich und fuhr mit der Fähre rüber in die Stadt. Ich lief ein Stück den Fluss entlang und fand schließlich ein Restaurant am Wasser. Die Auswahl war allerdings recht beschränkt, ich endete bei einem guten frischen Mangosaft und einem gewöhnungsbedürftigen Sandwich mit Pommes und etwas käseähnlichem. Sehr geschmacksneutral. Aber zumindest mit guter Aussicht. 

Dort erreichte mich dann eine Nachricht von Sean, sein Handy hatte plötzlich kein Netz mehr und sein Zimmer war nicht in Wifi-Reichweite… Wir trafen uns also an der Fähre, um dann gemeinsam loszuziehen. Unser Ziel war die Insel Philae, die hinter dem alten Staudamm von etwa 1900 liegt. Auf der steht ein alter Isis-Tempel.

Wir handelten ein Taxi runter von 200 auf 80 Pfund (der Sprung auf 100 ging innerhalb von einer Sekunde mit einem einzigen Blick…) und fuhren bis zum Parkplatz zur Insel, wo wir die Tickets bekamen. Danach begann das Gefeilsche um ein Boot dorthin. Das ist hier schon echt absolute Abzocke. Nicht wie in anderen Ländern, wo man ein Bootsticket kauft, einsteigt und losfährt, sobald das Boot voll ist. Nein, man muss sich quasi sein eigenes Boot kaufen und der Preis ist absolut unverschämt. 200 Pfund, der Eintrittspreis beträgt nur 180 Pfund. Da man aber das Ticket schon hat, haben sie einen so ziemlich in der Hand. Immerhin erzielten wir einen Teilerfolg und zahlten am Schluss 250 zu zweit. Wir fanden nämlich drei Ägypter, die sich das Boot mit uns teilten. Sie zahlten 200 zu dritt… Wenn überhaupt, aber das sagten sie zumindest. Und die Bootstypen wollten auch nicht, dass wir mit denen zusammen fahren, sie meinten, Ägypter und Ausländer dürften nicht im selben Boot sitzen. Was für ein ausgemachter Blödsinn… Es scheint hier das Ziel zu sein, die Touris zu verärgern, man könnte schließlich auch teurere Tickets verkaufen, die auch für das Boot gelten, denn es gibt ja eh keine andere Möglichkeit, auf die Insel zu kommen. 

Immerhin, wir mussten erst bei der Rückfahrt zahlen. Alles hätte ich auch nicht gleich gegeben, somit hat man wenigstens die Garantie, dass der Typ einen auch wieder abholt… Auf der Insel ging es recht relaxt zu, ein paar Touri-Gruppen, aber nicht wirklich viel. Wir hatten eine Stunde Zeit, das war auch wirklich ausreichend.

Auch dieser Tempel steht nicht mehr dort, wo er ursprünglich gebaut wurde. Nach dem Bau des 1. Damms stand er schon immer sechs Monate pro Jahr halb unter Wasser, was dadurch wohl eine besondere Attraktion war. Doch mit dem Bau des großen Damms in den 60ern drohte auch ihm der Untergang. Die Unesco hat wohl insgesamt 14 Tempel- und Ruinenanlagen umgesiedelt. Der Isis-Tempel kam auf die Nachbarinsel, Philae ist streng genommen der Name der ursprünglichen Insel.

Dieser Tempel war der, der am längsten aktiv genutzt wurde, bis etwa 500 nach Christus. Dann wurde er wohl von den Christen übernommen, teils sind die Gesichter der alten Götter zerstört und Kreuze darüber geritzt. 

Sean meinte, hier wäre doch wieder der richtige Fotospot für ein wenig Action. Zum Glück hatte ich (gegen die Kälte) die Leggins im Rucksack…


Auf dem unteren Bild sieht man ziemlich gut den dunklen Streifen, so hoch stand das Wasser nach dem Bau des 1. Damms. 

Gegen drei waren wir auf dem Rückweg. Es war dieses Mal ganz einfach, einen Taxifahrer zu finden, der uns für denselben Preis zurück brachte und sogar noch ein Stück weiter bis in die Nähe des Bahnhofs. 

Wir hatten Hunger und außerdem ein paar Sachen zu erledigen. Zimt kaufen, Geld holen, Seans Handy wieder zum Laufen bringen. Wir fanden ein kleines Restaurant, in dem nur Locals saßen, das aber eine englische Speisekarte vorweisen konnte. Das ist als Veggie einfach etwas blöd, einfach auf gut Glück auf irgendetwas tippen, ist unmöglich, da 99% mit Fleisch ist. 

Doch dieses Mal wurde ich schnell fündig, es war gut, reichlich und günstig. Die letzte Mission hieß dann: Guter Cappuccino. Da das ebenfalls nicht ganz so einfach ist, landeten wir im Rich Coffee, was vermutlich auch einen Kette ist. Aber der Kaffee war gut und verglichen mit den westlichen Ketten deutlich günstiger. Gegen halb sechs machten wir uns dann auf den Rückweg zu unserer Insel. Die Fähre wartete schon und gemeinsam schafften wir es ohne maps.me zum Hostel.

Dort sprang ich erstmal in die Dusche, es gab wieder Wasser, heute früh gab es keines (der Wasserkocher war zum Glück schon voll und als ich meine Trinkflasche füllte, lief es noch). Danach setzte ich mich auf mein Bett, sichtete die Bilder und begann den Blog. Inzwischen ist es fast acht. Sean wird wohl bald wieder rüberkommen, wir wollen uns dann irgendwo ein Abendessen organisieren. Viel mehr wird heute nicht mehr passieren. Noch ein bisschen Sachen zusammenpacken. Morgen geht’s sehr früh los. Der Zug fährt um halb acht, aber ich muss ja auch erst noch an Land und zum Bahnhof kommen…


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