Heute Nacht schlief ich
erstaunlich gut. Ich wachte zwar immer wieder von dem Gewackel und Geruckel
auf, konnte aber auch immer schnell wieder einschlafen. Kurz nach 6 wurde meine
Mitreisende geweckt und mit Frühstück versorgt und ich döste noch etwas weiter.
Gegen Viertel 9 zog ich mich dann auch an, las noch etwas und kuckte aus dem
Fenster. Dann gabs auch für mich Frühstück, nix überragendes, aber genug, um
noch was für später einzupacken.
Auch dieser Zug hatte die
übliche Verspätung und kam statt um halb 10 um dreiviertel 11 an. Aber egal,
immerhin lag ich sehr bequem. Ich stieg aus, kämpfte mich durch den Wust an
Taxifahrern und Touranbietern nach draußen und nahm mir dort das erste Taxi.
Ich war verwirrt, der Typ bot mir gleich den Preis, den Seko, mein Hostelchef
als Limit angegeben hatte. Gut, dafür versuchte er mich auch schon an der
ersten möglichen Fähre abzusetzen, ich wollte aber bis zur dritten, gut 1km
südlicher. Klappte schließlich aber auch.
Mit der kleinen Fähre gings
dann in vielleicht zwei Minuten zur Mitte des Nils. Er mag zwar den Amazonas in
Sachen länge um wenige hundert Kilometer schlagen, in Sachen Breite hat er aber
keine Chance. Dort hatte ich zur Überquerung an der Mündung einen ganzen Tag
gebraucht. Der Nil ist auch nicht mehr als der Rhein oder so… Zum Glück, denn
schließlich liegt mein Hostel in der Mitte, auf der Insel Elephantine.
Dort angekommen dauerte es nur
Minuten bis mich „Roberto Blanco“ anquatschte und zum Hostel brachte. Unter dem
Versprechen, später zum Tee vorbeizukommen, sorry, noch nicht geschafft heute…
Mein Hostel ist ein kleines Juwel. Es liegt auf der Westseite der Insel und
somit etwa 400m vom Fähranleger entfernt, mit einem traumhaften Ausblick von
der hinteren Terrasse und der Dachterrasse.
Wenn ich nicht trotz allem ein
straffes Programm hätte, hier wäre ich gleich den restlichen Tag geblieben. So
bezog ich aber erstmal mein Zimmer (drei Einzelbetten) und setzte mich dann für
einen Saft auf die Dachterrasse. Mit Seko machte ich für morgen eine Tour klar
nach Abu Simbel (Abfahrt 3.30Uhr morgens…)
Danach gings zurück durch das
nubische Dorf hier auf der Insel zur Fähre. Und wieder wurde ich unterwegs
aufgegriffen und zum Ziel geleitet. Dieses Mal bekam ich dazu den Kontakt zu
einem Felukkenfahrer, der mich – natürlich – gerne rumfahren möchte. Zurück am
Festland und im Chaos der Stadt schaffte ich es in einen Mikrobus (der Name ist
Programm) und der brachte mich wieder in Richtung Bahnhof, denn dort fahren die
Fähren zum Westufer und das war mein Ziel für den Nachmittag.
Dort traf ich auf einen Schweden
mit syrischer Frau, der mich darüber aufklärte, dass man mich mit den 5 Pfund (etwa
30 Cent) pro Bootsfahrt völlig abzocken würde, die Locals zahlen nämlich nur 2
Pfund. Naja, ganz ehrlich, damit kann ich leben! Außerdem lernte ich, dass man
hier auf den Booten brav getrennt nach Mann und Frau sitzt. Die sind hier
übrigens auch deutlich verhüllter, sehr viele freundliche große schwarze
Pinguine. Das sind wohl vor allem die Nubier, die in den Dörfern auf der Insel und
am Westufer leben.
Auf der anderen Flussseite löhnte ich weitere 60 Pfund Eintritt und durfte dann eine steile Treppe nach oben zu den „Nobel Tombs“. Die sind wohl noch immer nicht komplett ausgegraben und man findet ständig neue. Oben angekommen wurde ich gleich von einem netten Kerl aufgegriffen, der den Schlüssel zu den Gräbern hatte und mir in Arabisch und etwas Englisch versuchte, einiges zu erzählen. War ganz witzig, sein Bakshish hat er sich auf jeden Fall verdient.
Als Fotograf zeigte er sich zwar auch sehr ambitioniert, aber das ist noch ausbaufähig. Mit der Kamera kam er nicht zurecht, Handy klappte besser, aber auch hier musste ich die extrem gestellten Bilder erstmal aussortieren. 😂
Nachdem er mir alles gezeigt hatte, lief ich alleine noch weiter den Berg hinauf, denn ganz oben gibts noch einen kleinen Tempel oder so etwas und der Ausblick ist gigantisch. Außerdem konnte ich hier endlich meine ersten beiden echten Caches finden.
Hier einen Cache zu verstecken ist eigentlich unglaublich praktisch. Unter all diesen Steinen findet den niemand versehentlich und obwohl beide schon ziemlich alt sind und die Dosen teils kaputt, sind die Logbücher staubtrocken.
Ich genoss noch ein wenig die Aussicht auf die Wüste, den Fluss und die Stadt gegenüber, bevor ich wieder nach unten lief. Im Sand ziemlich lustig. Dafür hatte ich auch die halbe Sahara danach in den Schuhen...
Mit der nächsten mich abzockenden Fähre tuckerte ich zurück, dieses Mal lief ich dann aber zu Fuß weiter. Direkt am Bahnhof beginnt die Haupt-Einkaufsstraße, bunt gemischt für Touris und Einheimische. Die Menschen sind auch hier meist sehr freundlich, wenn auch deutlich stärker am ausländischen Geld interessiert. Kinder sagen hier zwar auch Hallo und freuen sich, wenn man winkt, bei manchen folgt aber direkt "Money" als zweites Wort. Das gabs in Kairo, v.a. in den ärmeren Viertel überhaupt nicht.
Ich lief also den Souk entlang, holte unterwegs Geld und wollte dann eigentlich was zu essen mit Ausblick. Das hatte ich heute mal wieder völlig vergessen, seit dem Frühstück gabs nur den Saft und ein paar Erdnüsse. Die Suche war wieder nicht einfach, die meisten Touris - so schreibt der Lonely Planet - essen direkt auf ihren Schiffen. Und ich wollte ja endlich mal beim Essen sitzen und auch noch Aussicht. So lief ich weiter am Fähranleger vorbei, denn Google hatte da noch ein Café. Genau das wars dann aber auch, ein paar Tische mit wirklich toller Sicht und Kaffee. Mehr nicht. Gut, beides gönnte ich mir und nachdem die Sonne kurz nach fünf verschwand, verschwand auch ich.

Auf dem Rückweg gelangte ich mal wieder in ein Glasscherbenviertel, hier fühlte ich mich zwar nicht wirklich unsicher, aber verglichen mit gestern lange nicht so wohl. Da ich nix fand (der Falafeltipp von Google war im Glasscherbenviertel und da saßen nur Männer rum), endete ich im einzigen Restaurant am Wasser direkt bei der Fähre. Das könnte die perfekte Aussicht haben, wenn die nicht bis auf ein einziges Fenster komplett zugehängt wäre. Verstehe, wer will... Dabei war der Blick echt toll... Ok, mit etwas Rotfilter...
Ich aß das einzig vegetarische auf der Karte, nämlich Gemüsewrap, dazu Pommes und Hummus und ein weiterer Mangosaft. Gestärkt gings dann schnell zur Fähre, denn kaum war die Sonne weg, wurde es echt frisch und ich hatte ja nur den Rock an und mein dünnes Hemd zum Drüberziehen dabei. Hätte echt nicht gedacht, dass das so schnell abkühlt.
Zurück auf der Insel war ich zum ersten Mal auf mich allein gestellt. Vielleicht war gerade eine besonders wichtige strenge Gebetszeit, die den Freitag einläutet, die Straßen waren jedenfalls komplett leer.
Im Hostel angekommen wurde ich von Seko sehr freundlich begrüßt. Dann sprang ich erstmal in die Dusche, Dreck von zwei Tagen abwaschen, danach in was langes zum Anziehen. Auch wenn die Moskitos deshalb recht enttäuscht kucken... Ich zog die Fotos auf den PC und packte meine Sachen für morgen. Wenn ich um halb vier verschwinde, muss das zumindest leise und schnell gehen. Aber das machen vermutlich alle einmal, Abu Simbel ist das Must-See hier. Bzw. nochmal 250km südlich, deswegen auch diese ultrafrühe Abfahrt.
Jetzt ist es halb neun, ich werde mir wohl noch eine Shisha gönnen und den Blick aufs Wasser genießen. Gute Nacht!
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