27.12.21 - Pyramiden und Eindrücke ohne Ende

Heute Nacht hab ich zwar deutlich besser geschlafen als die beiden davor, aber immer noch nicht wirklich gut, obwohl das Bett echt bequem ist. Aber ich bin ständig aufgewacht.

Heute früh war dann um halb 7 Schluss, in der Nachbarschaft klingelte ein Wecker. Aber schön im Sleep-Modus, alle 10 Minuten... Hallo, Leute, ihr seid im Dorm!!! Aber für mich sollte es passen, so stand ich kurz vor 7 auf und machte mich startklar. Bei dem netten Typen, der mir gestern früh den Weg gezeigt hatte, kaufte ich mir ein paar Snacks (er kannte sogar noch meinen Namen), dann rief ich mir ein Uber und fuhr für gerade mal 5€ 18km quer durch Kairo und Gizeh zu den Pyramiden.

Kurz nach halb 8 wurde ich am unteren Eingang bei der Sphinx abgesetzt. Ich dachte, ich müsste noch warten, da eigentlich erst um 8 geöffnet wird, aber ich hatte Glück und durfte schon mein Ticket kaufen. Verglichen mit Chichen Itza ein echter Schnapper, nicht mal 15€ kostet der Eintritt hier. Und somit stand ich – wer hätte das gedacht – innerhalb von gerade mal vier Monaten schon wieder vor ein paar Pyramiden! Gänsehautmoment, und sowas in diesem Jahr! Und wieder war ich eine der ersten. Oder sogar die allererste? Auf dem Weg nach oben sah ich keinerlei Touristen.



Ein paar erste menschenlose Beweisbilder wurden gemacht, dann lief ich die kurze Strecke bergauf zu den Pyramiden – nein, ich möchte nicht auf dem Kamel reiten! Oben angekommen setzte ich mich auf eine taunasse (!) Bank und aß meinen ersten Snack, ein Schokohörnchen. Es war kalt! Ein Blick auf die Wetterapp bewies: 9°C! Das hatte ich so nicht erwartet! Frieren in Ägypten! Aber die Sonne war immerhin schon schön warm und glich den Wind – ich glaube, der kam aus Nord – wieder etwas aus.

Gestärkt gings dann weiter, zunächst einmal umrundete ich die Cheopspyramide. Auf der anderen Seite (im Schatten) waren sie dann: Touristen! Busweise purzelten sie heraus aus ihren Tourbussen und liefen zielstrebig auf den Eingang in die Pyramide zu. Dort wollte ich aber gar nicht rein, denn da drin war ich schon und wirklich zu sehen gab’s da schon vor 25 Jahren (scheiße, echt so lange?) nix…


Liebe Grüße an meine Opa, den Fotografen dieses Fotos! Und danke, dass du mich von dem Kameltreiber wieder ausgelöst hast!

Ein bisschen schockiert war ich aber schon von der Gesamtsituation. Es ist unglaublich vermüllt, direkt um die Pyramiden herum kehren zwar ein paar, aber wenige Meter weiter fühlt man sich wie auf der Müllhalde. Schrecklich! Und auch die alten Steinchen werden nur wenig beschützt, man kann quasi überall rumlaufen, gerade ein paar wenige Schilder hindern einen am Hochklettern. Verglichen mit Mexico ist das echt nicht viel!

Aber immerhin, hier fliegt kein Covid durch die Luft wie dort drüben, Masken trägt kaum jemand. Nur ein paar Touris, die im Freien vor den Pyramiden stehen (allein). Da frag ich mich schon, warum man hier Urlaub macht, wenn man solche Angst hat… Vielleicht sind die aber auch gut gegen Smog, denn davon gibt’s hier ne Menge. Deswegen sehen manche der Bilder auch etwas grau aus…

Ich lief also um die größte der Pyramiden und dann weiter zu den beiden kleineren. Also die zweitgrößte (die, die noch etwas Verkleidung auf der Spitze hat) ist „nur“ 136m hoch (die größte 146m, wobei die Spitze etwas verwittert und geschrumpft ist). Immer wieder musste der Selbstauslöser herhalten, dort, wo ich war, war es so leer, dass nicht mal jemand zum Fotografieren da war!


Aber ich wurde für meine Wege auch so belohnt und fand einige tolle Fotoplätze...


In einiger Entfernung sah ich etwas wie eine Aussichtsplattform. Das war sie auch und gleich dahinter fand ich quasi die touristische Oase, ein Restaurant mit Ausblick. Genau mein Platz für einen ersten Kaffee, dazu die Aussicht auf Liegekissen. 



Auf dem Weg zurück kam ich dann auch an den Touristen vorbei. Die ließen sich von ihrem deutlich schlechteren Aussichtspunkt direkt aus dem Bus auf Kamele verladen und drehten eine kleine Runde. Noch schlimmer waren aber die, die sich auf den Pferdekarren setzten. Hallo? Pferd? Wagen mit Rädern? Sandige Wüste? Arme Viecher!
Da ich von meinem Viewpoint ein paar weitere Ruinen gesehen hatte, ging ich auf dem Weg zurück zur Sphinx dort lang. Und wurde belohnt, wieder ganz allein, dafür gab es sogar ein paar Hiroglyphen über alten Eingängen.


Wieder in Sichtweite der Pyramiden wurde ich plötzlich von einem Security-Typen blöd angeschnauzt, ich hätte hier nichts zu suchen und solle zurück zum Hauptweg. Sein Problem hab ich nicht wirklich verstanden, nirgends standen Verbotsschilder und den Spuren im Sand nach zu urteilen, war ich hier auch nicht die erste... Komischer Typ, dann wollte er mir nämlich irgendwelche Sachen zeigen, nein danke!
Mein letzter Punkt auf der Tagesordnung war die Sphinx und die war jetzt echt überlaufen. Hier schoben sich die Massen nur so vorbei. War ich froh, dass ich schon so früh hergekommen bin! Diese Gerüstbauer waren dann aber doch noch ein Bild wert.


Auf dem Weg zum Ausgang konnte ich mich dann noch wie eine lokale Berühmtheit fühlen. Oder auch - wieder mal - wie in Indien, denn von überall her kamen Jungs, die ein Selfie wollten. Win-win, ich mag ja auch gern mal Bilder mit Leuten drauf und so ging das ganz einfach. Wobei ich auf einmal gefühlt von einer ganzen Schulklasse belagert wurde. Aber die Jungs waren so süß und freuten sich mega, da konnte ich schlecht nein sagen. 


Überhaupt, ich war extremst begeistert von der Freundlichkeit der Ägypter! Angeblich soll es hier ja so schlimm sein, mein Hosteltyp wollte mich gar nicht ohne einheimischen Begleiter her lassen, aber es war völlig entspannt. Kein aufdringlicher Verkäufer, alle sehr freundlich, ganz wenige wollten mich auf ein Kamel verfrachten. Völlig relaxt! Ich hatte mir Ägypten da immer viel schlimmer vorgestellt, was man immer so hört, aber verglichen mit Indien, Jamaica oder Südostasien keinesfalls schlimmer.

Ich weiß gar nicht, wie ich es geschafft habe, aber es war schon 12, als ich wieder auf die Straße kam. Ich rief mir ein Uber und ließ mich quer durch Giza chauffieren bis zum westlichen Nilufer. Dort wollte ich eigentlich auf den River-Bus wechseln, doch dessen Haltestelle war nicht da, wo sie sein sollte, und ich fand sie auch nirgends sonst. Also lief ich eben zu Fuß, zumindest bis zur Insel von gestern, das war auch nicht so weit. 

Dort stieg ich dann in die Metro und fuhr in Richtung islamisches Viertel. Die nächste Metrostation war vom touristischen Teil noch sehr weit entfernt und der Fußmarsch durch die kleinen Gassen bis dort hin war einfach unbezahlbar! So viele freundliche Menschen, keiner wollte mich in seinen Laden zerren, alle grüßten nur mit einem großen Lächeln im Gesicht. Und ich fühlte mich super sicher mittendrin.


Unterwegs gabs einen O-Saft – natürlich mit Selfie, später dann noch mit Händen und Füßen ein kleines Falafel-Sandwich (für nicht mal 20ct). Essen ist hier echt super günstig, wenn man direkt auf der Straße kauft.


Etwas aufdringlicher wurde die Sache dann, als ich die touristischen Straßen erreichte, hier gings dann schon zu wie auf dem sprichwörtlichen Bazar, aber ein freundliches Laa, shukran (nein danke) reichte problemlos, schon wurde mein gutes Arabisch gelobt 😂


Ich schlenderte noch ein wenig durch die Gassen, bevor ich mich vor ein Café setzte. Es gab türkischen Kaffee und einen Pancake mit Banane und Zucker. Das war aber eine arabische Version, super lecker, irgendwie frittiert oder so. Muss ich das nächste Mal mit Käse probieren, ich war auf europäische Pfannkuchen eingestellt… Danach war ich ziemlich satt. Inzwischen war es nach drei. Ich rief mir ein Uber, es war gar nicht so leicht, den Fahrer dann auch zu finden. Er stand auf der falschen Straßenseite und die war durch ein langes Metallgitter von meiner getrennt… Als ich dann endlich drüben war, fuhren wir zum Ramses Bahnhof. Auch nicht leichter, es war wohl Rushhour. Dauerte wohl gut eine halbe Stunde, aber war auch irgendwie erholsam, einfach mal sitzen und nichts tun. Außer Autoschilder ankucken…

Das scheint hier üblich zu sein, man kauft die Autos komplett mit Nummernschild aus Deutschland oder sonstwo in Europa und spart sich die Arbeit des Abmontierens. Übrigens, ich hab noch nie so viele Bullis gesehen (ganz viele 1er und 2er) wie heute früh auf der Gizeh-Seite des Nils. Wahnsinn, die meisten Microbusse dort drüben sind alte VWs.

Den Bahnhof kuckte ich mir nur kurz an, denn ich wollte mich etwas auskennen, wenn ich hier morgen früh nach Alexandria starten will. Ist aber ganz easy. Das Ticketkaufen hab ich schon mal vercheckt, online geht das nur bis 2 Tage vor Abfahrt. Am Schalter bekommen Touris angeblich keine Tickets, wohl aber im Zug selbst. Das werde ich dann morgen herausfinden…


Die Metrostation ist auch direkt davor und mit der fuhr ich dann zwei Stationen zurück in Richtung Hostel. Dann lief ich noch etwas durch Downtown, hier ist schon alles deutlich europäischer, aber mit viel arabisch gemischt. Ich suchte ein Restaurant oder sowas, aber das war nicht so leicht. Es gibt irgendwie fast nur Fastfood-Läden. Und die mit den gemütlichsten Sitzbereichen sind wohl Mc und KFC… Schließlich fand ich doch noch ein Plätzchen und bekam dort eine Gemüsepfanne und Limonade. War nicht übermäßig viel, somit kehrte ich dann noch bei dem Laden von gestern auf ein Falafel-Wrap ein (knapp 50ct). Satt und zufrieden ging es zurück zum Hostel, vorbei am schön beleuchteten Tahrir-Platz und dem ägyptischen Museum.


Es war erst halb sieben oder so, als ich zurück war, aber das waren trotzdem 12h unterwegs heute und dementsprechend bin ich ziemlich platt. Erstmal musste ich Fotos sichten (viel zu viele), dann wurde der Blog geschrieben. Jetzt ist es halb neun und ich sitze hier im klitzekleinen Gemeinschaftsraum. Eigentlich auch in der Rezeption oder so. Aber ich glaube, es gibt hier eh nur drei Zimmer in etwa. Einen Dorm und ein paar weitere. Gerade hab ich mit meiner Bettnachbarin gequatscht, Esmeralda aus Kolumbien. Die war super happy, weil ich Spanisch spreche, sie kann kein Englisch (Respekt!) Hat wohl große Probleme, weil sie keinen Rückflug bekommt, den sie omikrontechnisch auch  noch nehmen kann...
So, jetzt werde ich mal duschen und den Saharasand abwaschen und dann wohl noch etwas lesen bis mir die Augen zufallen (kann nicht allzu lange dauern...)


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