26.12.21 - Kairo, chaotische Großstadt

Das war dann definitiv nicht meine beste Nacht im Bus… Pünktlich um 11 saß ich drin, wie die Sardine in der Dose, der war ja fast noch enger als der Flieger! Doch das war noch nicht mal das schlimmste. Zum Glück hatte ich schon mal den Schlafsack eingepackt, es war echt kalt und das vermutlich ganz ohne Klimaanlage. Kurzzeitig hatte ich mir sogar überlegt, noch die Daunenjacke unterm Schlafsack anzuziehen. Die Maske hatte ich dann irgendwann auch drauf, damit war dann zumindest die Nase warm… Die Straße war mal wieder gespickt mit Bodenwellen, aber das Highlight war das permanente Gehupe, echt ätzend. Gefühlt im Minutentakt haute der Fahrer auf die Hupe, Respekt, wer da ernsthaft schlafen konnte. Ich natürlich nicht.

Die Fahrt war dann schon um fünf zu Ende und ich wurde unsanft auf die Straße gesetzt. Ob ich darüber froh war, kann ich nicht wirklich sagen, in dem Moment eher nicht, es war ja noch stockfinster. Die Taxifahrer waren schon fleißig, doch mein Hostel war nicht mal 400m entfernt und so ließ ich sie einfach stehen. Immerhin, um diese Zeit konnte man noch die Straßen überqueren ohne plattgefahren zu werden. Das Hostel zu finden war gar nicht so einfach. Zwar stand ich schnell quasi davor, aber weit und breit war kein Schild zu sehen. Zum Glück hatte ein kleiner Kiosk schon geöffnet und der Besitzer zeigte mir die Tür. Geschlossen. Doch mein Rütteln weckte einen alten Mann, der innen auf dem Boden pennte und mich reinließ. Dasselbe Spiel machte ich dann nochmal zwei Stockwerke höher an der Tür des Hostels. Auch hier weckte ich den armen Kerl innen, immerhin, der hatte ein Sofa. Er ließ mich rein und ich bekam erstmal die 2. Couch. Doch dann fiel ihm ein, da waren doch heute schon welche aus einem Doppelzimmer ausgezogen, ich durfte, wenn auch für den Preis einer halben Nacht, das unbenutzte zweite Bett beziehen. Ich zögerte nicht lange, ich war echt müde. Klar, wirklich gut schlafen konnte ich dann auch nicht mehr, aber immerhin, bis halb 10 konnte ich mich recht gut erholen.

Es war ziemlich frisch, innen mindestens so sehr wie außen, als ich mich fertig machte. Dann konnte ich meinen Rucksack schon mal in meinen Dorm umziehen, ein schöner Raum mit sechs stabilen Betten samt Vorhang, Licht und Strom, dazu drei kleine Balkons. Das Haus selbst ist toll, Altbau, erinnert mich stark an unser Hostel in Mexico City. Ich bekam dann noch ein leckeres Frühstück mit Falafel, Baba Ganoush und türkischem Kaffee, bevor ich mich vielleicht gegen halb 11 auf den Weg machte.

                                     

Ich plante heute einen gemütlichen Einstieg in die chaotische Großstadt. Das Hostel ist echt zentral gelegen, am berühmten Tahrir Platz, dem Metro-Knotenpunkt, fast am Nil und ganz nah am wichtigsten Museum. So musste ich auch nicht weit bis zur Metro laufen, zwei Nahtoderlebnisse inklusive. Mehrspurige Straßen überqueren ist hier nicht so leicht. Wobei, eigentlich schon, Augen zu und loslaufen und keinesfalls stehenbleiben! Klappt, bisher zumindest… Mit der Metro ging es dann vier Stationen weit im Ladies-Wagon, der gar nicht sehr voll war.


Mein erstes Ziel war das koptische Viertel. Das ist ordentlich von Polizei bewacht. Um hineinzukommen muss man auch durch diverse Sicherheitskontrollen, wobei die fröhlich piepsen und das keinen interessiert. Innen wird man dank etlicher Krippen wieder daran erinnert, dass immer noch Weihnachten ist, das könnte man bei den Temperaturen von knapp 20° und strahlendem warmen Sonnenschein sonst fast vergessen. So ging es also durch diverse Kirchen und über einen alten Friedhof.


Schön, wie die Schilder immer an die örtlichen Begebenheiten angepasst werden müssen...



Positiv überrascht war ich wirklich von der Freundlichkeit der meisten Leute. Auch die Verkäufer waren nicht übermäßig aufdringlich, die übrigen zwar manchmal gesprächig, aber durchweg sympathisch, das hatte ich schlimmer erwartet. Ein bisschen was hat das Ganze aber schon von Indien.
 

Nachdem ich genug gesehen hatte, ging ich in der nächsten Straße einen türkischen Kaffee trinken und aß dazu einen leckeren Obstsalat. Auch gar nicht teuer. Dann fuhr ich mit der Metro zurück zum Tahrir. Inzwischen war es zwei oder so. Ich lief in Richtung Nil und über die Brücke auf eine größere Insel. Die Brücke ist gerammelt voll, unglaublich viele Jungs mit Kameras wollen einen fotografieren (so toll ist der Blick dann aber auch nicht).

Auf der anderen Seite lief ich in einen kleinen Park, die kosten hier alle Eintritt, das finde ich recht schade. In dem Park am Ufer konnte man Bootsfahrten buchen, 15€ etwa für eine halbe Stunde auf einem ziemlich großen Kutter fand ich dann aber schon teuer. Und so viel sehen kann man hier vom Wasser auch nicht wirklich.

Stattdessen ging ich zum nächsten Kaffee über, wobei die Wirkung mit der Zeit zu wünschen übrig ließ. Ich ging in ein Café direkt am Ufer, leider waren da aber überall Plastikplanen gespannt, so dass der Ausblick nicht so toll war. Und dann gabs denn Kaffee auch noch im Pappbecher mit Plastiklöffel… Naja, war nicht mehr zu ändern. Danach lief ich noch etwas durch die Gegend und kam dann gegen vier zum Cairo-Tower. Das war wieder ganz typisch, den sieht man unglaublich weit, aber die richtige Straße zu erwischen, die dann auch wirklich hinführt, war nicht so einfach… Leider war der Rest dann auch nicht erfolgreicher, ich wollte mein Ticket kaufen, zum Glück meinte der Typ, eine Stunde Wartezeit, bis ich hochfahren kann. Mist, die Sonne würde um 5 untergehen, dann bringt es nicht sehr viel, kurz danach oben zu sein. Somit war das der klassische Satz mit X…


Also lief ich zurück zum Hostel. Dort testete ich kurz unsere Terrasse, die Sicht ist schon ganz nett, aber der Lärm und Gestank ist auch nicht ohne… Ich bezog mein Bett und machte mich dann gegen fünf auf die Suche nach etwas Essbarem. Der Tipp aus dem Lonely Planet war leider ein Fastfood-Laden, aber da ich nicht viele Alternativen fand, blieb ich dort. Immerhin, für 2€ inklusive Cola wurde ich satt (Falafel im Brot und Reis mit Bohnen)

Auf dem Rückweg war es dann schon stockfinster. Ich landete noch in einer kleinen Seitengasse, wo ich einen Tee trank und mir eine Shisha gönnte. Gehört hier irgendwie dazu, aber alleine nuckelt man da schon ne Zeitlang dran.


Danach ging es nur noch zurück zum Hostel, kurz nach halb 7 war ich wieder dort. Aber mir reichts auch einfach. Ich unterhielt mich noch kurz mit einem Spanier, der heute nach Luxor weiterfährt und mir noch einige Tipps gab. Dann gings aufs Bett, Fotos sichten und Blog schreiben. Jetzt ist es kurz vor acht und außer duschen und etwas lesen mache ich heute auch nichts mehr. Es ist schon wieder erstaunlich kalt hier, liegt daran, dass immer einer auf dem Balkon sitzt und dann die Türen offen stehen. Zumindest kommt dann keiner auf die Idee, dass man die AC anmachen könnte…

Morgen geht’s wahrscheinlich gleich früh, wenn ich wach bin, zu den Pyramiden. Das Highlight eines jeden Ägyptenurlaubers, ich bin gespannt, dort war ich ja immerhin schon mal!


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